Vom Kleiderschrank ins Wohnzimmer: Die ungeschönte Geschichte von Fatmir & Anouk
Orangefarbener Teppich und ein Sprung ins Ungewisse
Fragt man Fatmir nach dem ersten Tag, lacht er. „Vergessen Sie mal kurz die gemütliche Atmosphäre von heute – damals gab es hier nur orangefarbenen Teppich und Herrenbekleidung. Die Vorbesitzer haben hier dreißig Jahre lang Hosen verkauft!“ 2023 beschloss Fatmir, seine Leidenschaft für Gastfreundschaft und Spezialitätenkaffee ernst zu nehmen. Der Name? Filter. Der Start? Voller Enthusiasmus. Und einer Anfrage in letzter Minute. „Zwei Tage vor dem Full Color Festival fragten sie, ob ich eine mobile Kaffeebar organisieren könnte. Mit der Hilfe von Freunden baute ich innerhalb von 48 Stunden eine mobile Bar auf, und schon waren wir da.“
Eine unerwartete Kombination
Damals kam Anouk jeden Freitagmorgen, um sich ihren Kaffee zu holen. Als der Blumenladen, in dem sie arbeitete, schloss, sah Fatmir seine Chance. Er hatte den Platz; sie hatte eine Leidenschaft für Vintage. Ein Vorstellungsgespräch gab es nicht. „Es hat sich ganz natürlich angefühlt“, sagt Anouk. „Ich kam mit meiner ganzen Familie vorbei und habe den Laden quasi sofort auf den Kopf gestellt.“
Für Fatmir war das ein ziemlicher Schock. „Es war doch mein Baby, oder? Plötzlich gab es neues Besteck, andere Farben an der Wand, und meine Kaffeeecke war mit Vintage-Möbeln vollgestellt. Aber ich habe eingesehen, dass es richtig war. Anouk bringt Farbe in den Raum. Sie hat ein gutes Verhältnis zu den Menschen.“ Inzwischen sind sie offizielle Geschäftspartner. „Eigentlich verrückt“, denkt Anouk, „wir kannten uns vorher überhaupt nicht, aber das Vertrauen war sofort da.“
„Wir heißen zwar Filter, aber der Rest ist ungefiltert.“
Der Heilige Gral und ein Hauch von Chaos
In einem Wohnzimmer trifft man immer auf unterschiedliche Typen. Fatmir ist der übereifrige Ja-Sager, der sich manchmal etwas zu viel vornimmt (und, laut Anouk, mit Pflanzen überhaupt nicht umgehen kann). Anouk ist die kreative Chaotin mit einer eisernen Vision. Aber eines steht außer Frage: der Kaffee.
„Meine EK43 Kaffeemühle ist der Heilige Gral“, sagt Fatmir stolz. „Ich habe sie extra aus Antwerpen mitgebracht. Sie ist der absolute Hammer unter den Cafés.“ Neben dieser Hightech-Maschine stehen die Erbstücke: alte Tassen und eine kleine Mühle seines Großvaters. Anouk darf alles nach Belieben anfassen, solange sie die Erbstücke in Ruhe lässt. Und die neue KitchenAid? Die ist ihr hingegen heilig.
Ungefilterte Gastfreundschaft
Was macht Filter Coffee so einzigartig? „Es ist die Atmosphäre, die man nicht fassen kann“, erklärt Anouk. „Die Leute, die reinkommen, fühlen sich oft sofort wie zu Hause.“ Fatmir fügt hinzu: „Das liegt an dir, Anouk. Dein aufrichtiges Interesse an den Menschen macht alles aus. Manchmal ist es fast schon seltsam, dass die Gäste trotzdem bezahlen müssen; sie werden fast zu Freunden.“
Diese Verbundenheit mit der Stadt spürt man überall. Mitarbeiter wie Noa, Ronja und Reinier sind quasi spontan dazugekommen. Und wenn die Wände sprechen könnten – sie würden Geschichten erzählen von alten Freunden, die sich nach Jahren hier wiedergefunden haben, oder von dem Mädchen, das erst allein kam, dann mit ihrem Freund und jetzt mit Freund und Baby.
Die Zukunft ist grün und biologisch.
Bei Filter Coffee setzt man auf Nachhaltigkeit und Regionalität. Die Bohnen stammen von der Bosbrand Roastery in Apeldoorn: Bio-Bohnen aus Mexiko, die wöchentlich frisch in wiederverwendbaren Behältern geliefert werden. „Keine Plastiktüten, dafür echte Sorgfalt für das Produkt“, sagt Fatmir.
Und in fünf Jahren? Filter wird immer noch der Ort sein, der einen überrascht. Wo die Playlist garantiert keine Top-40- oder niederländischen Hits enthält (da ziehen beide die Grenze), aber wo der Kaffee immer noch der beste der Stadt ist.
Kommen Sie bald auf eine Tasse vorbei? Versprochen: Nur das Toilettenpapier ist nicht Vintage.